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With a Name Like Yours, You Might Be Any Shape

15.02.2013 - 30.03.2013

Alter Egos, Pseudonyme und fiktive Personen: Zu künstlerischer Autorschaft und Namensgebung.
Mit Werken von: Bernadette Corporation, Hina Berau/Judith Fischer, Ursula Bogner, Dagmar Buhr, Ricarda Denzer, Mario Garcia Torres, Matthias Klos, Warren Neidich, Roee Rosen, Isa Rosenberger, Lora Sana/Carola Dertnig, Unknown Artist, Untitled Collective, Ronda Zengh
Kuratiert von Georgia Holz und Claudia Slanar

“Must a name mean something?“ Alice asked doubtfully.
“Of course it must,“ Humpty Dumpty said with a short laugh; “my name means the shape I am – and a good handsome shape it is, too. With a name like yours, you might be any shape, almost.“
Lewis Carroll

„Der richtige Name bezeichnet die Realität; Ebenso wie ein deiktischer Ausdruck, bedeutet er jedoch nichts ... Er ist eine reine Spur dieser bezeichnenden Funktion.“
Jean-Francois Lyotard
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The Unkown Artist, 1993, Courtesy Warren Neidich Studios Berlin
Namen stellen signifikante Faktoren für die Konstruktion von Identität dar. Nach Jean-Francois Lyotard bezeichnet der „richtige Name“ die Realität eines Menschen, seine Einbettung in eine Kosmologie, die ihn als Subjekt etabliert, aber dadurch gleichzeitig prekär ist. Denn der Name selbst kann nichts offenbar machen, er ist nur ein unzulänglicher Referent. Was passiert nun, wenn sich dieser Referent ändert oder geändert wird? Welche Auswirkungen hat das auf ein Subjekt, und in weitere Folge auf ein künstlerisches Subjekt?

1916 änderte der deutsche Künstler Helmut Herzfeld seinen Namen zu John Heartfield aus Protest gegen den immer stärker werdenden Nationalismus in Deutschland. 1921 ließ sich Rrose Sélavy erstmals von Man Ray fotografieren, und es war bekannt, dass sich kein geringerer als Marcel Duchamp hinter der Maskerade dieser Dame verbarg. Er war damit angetreten, normative Geschlechterrollen und das Verständnis vom Künstler als Genie zu hinterfragen.
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Bernadette Corporation, Get Rid of Yourself, 2003, Videostill, Courtesy die Künstlerinnen und Galerie Neu, Berlin
Vor allem in den 1960er und 70er Jahren stellten KünstlerInnen vor dem Hintergrund subjekt-kritischer Diskurse wie sie Roland Barthes und Michel Foucault führten, verstärkt den/die AutorIn, das künstlerische Subjekt, die damit verbundene künstlerische Produktion und ihre institutionellen Rahmenbedingungen zur Disposition. Strategien wie Pseudonyme, Alter Egos oder fiktive Personen und daraus resultierende Anonymität als Ausdruck künstlerischer Souveränität fielen dabei Sonderstellungen zu, die nichts an Aktualität eingebüßt zu haben scheinen. Vor allem neue Medien haben die Spielarten eines bewussten Identitätstransfers oder -wechsels, einer „positiven, selbst gewählten Desubjektivierung“ (Claire Fontaine) erweitert. Ebenso wenig sind Anonymität und kollektive Identität aus dem aktuellen politischen Aktivismus (siehe Anonymous- oder Occupy-Bewegung) wegzudenken. An die Stelle eines (klassen-)kämpferischen Individuums ist die anonyme, inhomogene „Multitude“ getreten.
Die Gründe, die KünstlerInnen veranlassen, in „anderem“ Namen als fiktionale Personen oder Gruppen Narrative zu kreieren, die zwischen Fiktion und Realität angelegt sind, sind mannigfaltig: Als Verweis auf Lücken oder blinde Flecken im sonst diskursiv abgesicherten, kunsthistorischen Kanon; als Kritik an Autorschaft, Urheberrecht, an institutionellen Strukturen und deren Repräsentationspolitiken; zum Schutz vor politischer Verfolgung, und nicht zuletzt zur Dekonstruktion des KünstlerInnenmythos.
Während sich manche Strategien der in With A Name Like Yours ... versammelten Arbeiten gleichen, lässt sich doch eine diskursive Verlagerung von institutioneller zu sozio-politischer Kritik und von der Dekonstruktion zur Rekonstruktion beobachten. Entlang den Parametern dieser Veränderungen verhandelt die Ausstellung folgende Fragen: Braucht ein Kunstwerk überhaupt eine/n AutorIn? Geht der „Tod des Autors“ Hand in Hand mit der Wiederentdeckung künstlerischer Souveränität? Lässt sich das Begehren, durch diese Strategien den Begriff der Authentizität in Frage zu stellen, als widerständige Geste gegen den post-fordistischen Individualisierungsdruck begreifen?
Eine Sammlung von Texten und Künstlerbüchern, die in der Ausstellung aufliegen, knüpft an die Wurzeln dieser Taktiken in einer literarischen Tradition an. Die Ausstellung ist ebenso Teil eines längerfristigen Projektes zu künstlerischer AutorInnenschaft und kollektiven Subjektivierungsformen, das an der University of California Irvine im Oktober 2012 seinen Ausgang genommen hat.
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Roee Rosen, The Confessions of Roee Rosen, 2008, Courtesy der Künstler und Rosenfeld Gallery
Download Werkbeschreibungen




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Eröffnung: Donnerstag, 14. Februar 2013 um 19.00