| | The Uncanny Valley | 22.09.2011 - 05.11.2011 | |
Der 1981 in London geborene Künstler Alcuin Stevenson arbeitete die letzten Jahre in Japan als Videofilmer und Musiker. Während dieser Zeit begann er Forschungsmaterial in verschiedenen Gebieten wie etwa Ideologien hinter Kriegen, Studien zu Androiden, Kybernetik und Politik zu sammeln.
Im letzten Jahr hat sich Alcuin Stevenson intensiv mit neuesten technologischen Entwicklungen mit einem Schwerpunkt auf Neurowissenschaften, aktuellen Forschungen zur psychologischen Interaktionen zwischen Mensch-Roboter und einer neuen kosmischen Theorie, genannt Biozentrismus, beschäftigt. Vor allem die Idee, die gerade auch in der Quanten Physik Impulse liefert, dass jedes Objekt und damit unsere übereinstimmende Realität, eigentlich nur dann wirklich wahrgenommen werden kann, wenn ein übereinstimmender Beobachter da ist. Ohne den Moment der Übereinstimmung kann nichts existieren, diese Überlegung ist Ausgangspunkt einiger künstlerischen Arbeiten von Alcuin Stevenson. Die rasante technologische Entwicklung, die einige verunsichert und manchmal auch unheimlich erscheint beobachtet der Künstler schon seit einiger Zeit. |  | Ausstellungsansicht, Foto: WEST. Fotostudio
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| | Der Titel der Ausstellung The Uncanny Valley (deutsch unheimliches Tal) weist auf eben diese Untersuchungsfelder des Künstlers hin. The Uncanny Valley bezeichnet ein wissenschaftliches Phänomen, das der japanischen Robotiker Masahiro Mori schon 1970 in seinem Buch „Energy“ beschrieben hat. Es ist allgemein ein empirisch messbarer, paradox erscheinender Effekt in der Akzeptanz von dargebotenen künstlichen Figuren, auf die Zuschauer.1 Wirken beispielsweise die animierten Darsteller in Animationsfilmen gar zu menschlich, fühlt sich der Zuschauer unwohl. In einer zu realistischen Ausführung, sieht der Betrachter nicht mehr die Ähnlichkeiten, sondern vor allem die Abweichungen.2
Alcuin Stevenson entwickelt im Rahmen seiner Einzelausstellung in der Neuen Galerie ein neues Projekt, welches sich thematisch an seine 2009 realisierte Arbeit Raids on the Unspeakable anschließt, die im Rahmen der Großen Malerei Ausstellung in der Lothringer 13 in München präsentiert wurde. In Raids on the Unspeakable hat er erstmals verschiedene Themenkomplexe gegenübergestellt. In der Ausstellung The Uncanny Valley in der Neuen Galerie wird diese Form der Präsentation fortgesetzt. Alcuin Stevenson zeigt in einer den gesamten Galerieraum ausfüllenden Rauminstallation Forschungen und Recherchearbeiten in unterschiedlichen Gebieten, gemeinsam mit neuen künstlerischen Arbeiten, und versucht deren individuelle Prozesse der Transformation in dicht gruppierten Systemen zusammen zu bringen. Die Videos und Zeichnungen, die durch die Recherche entstanden sind, sollen unabhängig von formalen Grenze, je nach Kontext und BetrachterIn unterschiedlich funktionieren. |  | Ausstellungsansicht, Foto: WEST. Fotostudio
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| | | Um die große Menge an Informationen besser zu kontextualisieren und einfacher Verbindungen zu den unterschiedlichen Gegenständen herzustellen, zeigt Alcuin Stevenson im Raum 2 eine Art „Road Map“, bestehend aus Videos, Zeichnungen und Digitaldrucken. Es ist eine Art Plan, der durch die unterschiedlichen Themen der Ausstellung führt. Das Video zeigt den Kurzfilm „The Chinese Room“, eine Zusammenarbeit von Alcuin Stevenson und Elsa Triquet (Tokyo 2011) vor. Der Film spielt im Tokyo des Jahres 2050 und beschreibt die Auswirkungen der heutigen soziologischen und wirtschaftlichen Situation: das Sinken der Geburtenrate, die strengen Einwanderungsgesetze und die merkwürdige Zunahme der „Roboter Bevölkerung“, die im Industrie- und Dienstleistungsbereich entstanden ist. |  | Ausstellungsansicht, Foto: WEST. Fotostudio
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| | Im Raum 3 präsentiert er eine Sattelitenaufnahmen des nach dem Atomreaktorunfall zerstörten Fukushima. Alcuin Stevenson selbst filmte in dieser Region unmittelbar nach dem Unfall und zeigt das entstandene Dokumentationsvideo und als Relikt einen Stadtplan, den er dort auf einer Straße gefunden hat.
Hinter Glasrahmen sind Zeichnungen und Grafiken von Daten aus dem Global Consciousnes Project (GCP) zu sehen. Mit Hilfe einer in Princeton entwickelten Technologie und Zufallsgeneratoren werden seit 1998 von einem weltweiten Netzwerk Daten gesammelt, die die Existenz eines „globalen Bewusstseins“ belegen sollen. Nach der Theorie des GCP erzeugen Ereignisse, die starke Emotionen bei vielen Menschen auslösen, wie etwa Terroranschläge, mit Hilfe spezieller Instrumente, messbare Ausschläge. Die Daten werden zu einem Server in Princeton übertragen, wo sie analysiert und archiviert werden. Als Messgeräte dienen derzeit rund 70 weltweit verteilte Dioden sogenannte Eggs, welche weißes Rauschen erzeugen. Dieses Rauschen wird ausgewertet, und soll je nach Gemütslage der Menschen, unterschiedliche Eigenschaften anzeigen. So soll z. B. anhand von digitalisierten Rauschwerten der "Zustand" des "globalen Bewusstseins" ermittelt werden können.3 |  | Ausstellungsansicht, Foto: WEST. Fotostudio
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| | Alcuin Stevenson hat exemplarisch die Graphiken zu folgenden Ereignissen ausgewählt: die Unruhen in Großbritannien, die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA, der Abschuss eines Helikopters in Afghanistan mit jenen Soldaten an Board, die Osama Bin Laden erschossen haben, Wikileaks Affäre, und die Katastrophe von Fukushima.
Auf einem Sockel liegt ausgedruckt auf 1665 DIN A4 Seiten einer der gefährlichsten Computerviren, der Stuxnet virus.
Raum 4 ist ganz diesem Stuxnet virus, gewidmet. Auf einem ausgebauten Computerbildschirm läuft der 1665 DIN A4 Seiten füllende Code. Im Hintergrund laufen Interviews mit Wissenschaftlern über diese aufwändig programmierte Schadensoftware.
Die Ausstellung The Uncanny Valley präsentiert viele unterschiedliche Informationen und Themenkreise, die von jeder BertrachterIn individuell in Verbindung gebracht werden kann. |  | Ausstellungsansicht, Foto: WEST. Fotostudio
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| | 1Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Uncanny_Valley
2http://www.sueddeutsche.de/digital/computeranimation-im-film-wie-zu-viel-botox-1.1085067)
3Vgl. http://noosphere.princeton.edu/ und http://de.wikipedia.org/wiki/Global_Consciousness_Project | | |
Alcuin Stevnson *1981 in London, lebt und arbeitet als Künstler und Musikproduzent in Tokyo, Japan. Studium an der Ecole de Beaux Arts, Avignon & Lyon, La Sorbonne, Paris und CATS, Cambridge, England; http://alcuinai.net/
Ausstellungen und Performances (Auswahl):
2009 Grosse Malerei Ausstellung, Lothringer13, München (D); Mean, Gallery Conceal, Tokyo (JP) 2008 Jahresgaben 2008, Kunstverein München (D); Tolerances of the Hidden Face, Wittelsbacherplatz - Munich 850 Years (D); Original Mix, Gallery Speak Four, Tokyo (JP); Interesting Productions III, ZKMAX, München (D); Confession of Aggression, Münchener Kammerspiele (D) 2007 Woanders - Eine Topographie der Sehnsüchte, Salon Munique, München(D); Expedition Medora, München (D) 2006 Ghostsequence, Lothringer13, München (D); Kapitalismus Banzaii!, Berlin Volksbühne (D); Local Signals, Gallerie Zero, Berlin (D) 2004 Eijanaika!, Collection Lambert d’Avignon (F)
Artist Residencys:
2007 Villa Walberta, München (D) | | | Lange Nacht der Museen: Sa, 01. Oktober 2011, 18.00 – 01.00
ab 20.00 Musik und Installationsarbeit von Alcuin Stevenson und Robin Sato
18.00 – 01.00 KUNSTAUSKUNFT
Premierentage 2011 am Sa, 05. November 2011 um 15.00: Künstlergespräch: Alcuin Stevenson mit Uli Aigner | |
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